Michael Winograds neues Album |
Genau wie ihre Kollegen aus anderen Genres nutzen auch Klezmer-Gruppen schon seit geraumer Zeit Social Media Webportale, um auf sich aufmerksam zu machen und sich untereinander zu vernetzen.
Allen voran sind Musiker natürlich auf MySpace und Facebook vertreten, doch auch neue Initiativen wie die amerikanische Seite Kickstarter werden genutzt, um mit den Fans in Kontakt zu treten.
Anders als bei Facebook und MySpace geht es bei Kickstarter nicht um den Austausch von Informationen, sondern um die Finanzierung eines bestimmten kreativen Projektes durch private Investoren. Der englische Begriff dafür ist Crowd Funding. Ziel ist es, genügend Menschen zu finden, die bereit sind, für ein bestimmtes Projekt (z.B. die Herausgabe eines Buches, die Realisierung eines Films, die Tournee einer Band) ihr eigenes Geld zu geben. Man könnte es auch als Spende bezeichnen, deren Nutznießer keine Hilfsorganisationen oder Aktivisten für Tierschutz, die Umwelt oder die Pressefreiheit sind, sondern Künstler.
Im Falle des New Yorker Klarinettisten Michael Winograd handelt es sich bei dem zu finanzierenden Projekt um Produktionskosten seines neuen Klezmeralbums. Sollte einem der Name Winograd etwas sagen? Nun, obwohl noch jung an Jahren, hat er schon mit einigen bekannten Größen auf der Bühne gestanden, sei es als Gastklarinettist von Budowitz, als Produzent des letzten Albums von Adrienne Cooper und als Mitglied von Daniel Kahns Truppe The Painted Bird. Aufhorchen ließ er auch mit seinem Debutalbum Bessarabian Hop, welches 2008 erschien. Auf diesem finden sich überwiegend Eigenkompositionen, die deutlich als Klezmerstücke erkennbar sind, sich aber nicht auf die strikte Einhaltung der Merkmale eines bestimmten Genres wie Bulgar, Sher und Khosidl beschränken. Im Gegensatz zu vielen Gruppen, die traditionelle Klezmer-Melodien hernehmen und diese in neue Gewänder stecken, die oft ein Amalgam aus verschiedensten Musiktraditionen des Balkans mit Jazz oder Ska sind, schreibt Michael Winograd neue Melodien, die die Idiomatik von traditionellen Klezmer beinhalten, aber darüber hinaus noch neue Facetten aufweisen. So spielen die Begleitakkorde bei Winograd eine wichtige Rolle. Während bei traditionellen Klezmerstücken nur wenige Akkordwechsel erfolgen, setzt Winograd diese oft und gezielt ein, um bestimmte Effekte zu erzielen.
Auf Bessarabian Hop hat Winograd sich mit einer Reihe von jungen Kollegen zusammengetan, die seine Klangvorstellungen wunderbar umsetzen. Mit dabei sind Patrick Farrell am Akkordeon, Joey Weisenberg an der Mandoline, Pete Rushefsky an der Tsimbl, Daniel Blacksberg (The Other Europeans) an der Posaune, Nick Cudahy am Bass und Richie Barshay (auf Tour mit den Klezmatics) an der Percussion.
Auf dem neuen Album, das Winograd mit Hilfe von Kickstarter finanzieren will, sollen abermals tolle Musiker zum Einsatz kommen. Neben Farrell werden u.a. Benji Fox-Rosen am Bass, Joshua Horowitz (von der Gruppe Budowitz) am Tsimbl und Deborah Strauss an der Geige (vom Strauss/Warschauer Duo) mitwirken.
Wer sich dafür interessiert, die Realisation des Albums zu unterstützen, schaut ganz einfach auf Kickstarter.com. Nur wenn der Betrag von 10.000 US-Dollar erreicht wird, bekommt Winograd das Geld. Jeder Dollar hilft, und schon für eine Spende von 35 Dollar bekommt man nach Fertigstellung ein Exemplar des Albums.
Diskografie:
Michael Winograd: Bessarabian Hop, zu beziehen über CDbaby.com


