The Nikolayev Kapeliah: Vodkazak
Klezmer und chassidische Musik gehören irgendwie zusammen, obwohl sie nicht das Gleiche sind. Der Chassidismus entstand als eine religiöse Strömung innerhalb des osteuropäischen Judentums im 18. Jhdt. Ein wichtiger Bestandteil dieser Richtung ist das Lobpreisen Gottes in Tanz und Gesang. Der Konnex mit Klezmer entstand dadurch, dass die Melodien der religiösen Lieder, die am Schabbat gesungen wurden, auch von den Klezmorim gespielt wurden, allerdings dann außerhalb der Synagoge. Umgekehrt kam es auch vor, dass Melodien populärer Klezmerstücke von den Chassiden aufgegriffen wurden und in der Synagoge und beim Schabbesmahl gesungen wurden.
Wer mehr über Chassidismus erfahren möchte, dem sei zum Einstieg die Seite über Chassidismus auf Wikipedia empfohlen.
Die Zentren des Chassidismus heute liegen in Israel und vor allem in New York. Die bekannte Klezmergeigerin Alicia Svigals (Gründungsmitglied und langjährige Geigerin der Klezmatics) hat im Auftrag eines gewissen Rabbi Zalman Goldstein populäre chassidische Nigunim für ein kleines Ensemble arrangiert und mit dem Mandolisten Jeff Warschauer eingespielt. Weiters wirken noch Sy Kushner am Akkordeon und Marty Confurius bzw. Nicky Parrott am Kontrabass mit.
Das Ergebnis kann sich hören lassen. Die Arrangements sind abwechslungsreich und stimmig. Was zu kritisieren ist, sind all die Sachen, die wohl nicht in Svigals Einflussbereich lagen. So wurde zu manchen Stücken im Hintergrund das Geräusch einer feiernden Tischgesellschaft hinzugemischt oder auch schon mal Vogelgezwitscher. Dies erhöht aber die Intensität der Musik nicht, im Gegenteil, sie wird dadurch eher gemindert. Zu erklären ist dies dadurch, dass der Produzent mit diesen Aufnahmen ein religiöses jüdisches Publikum anspricht, im Gegensatz zu einem säkularisierten oder einem nichtjüdischen Publikum. Es steht mir nicht an, dies zu kritisieren, aber rein von der musikalischen Perspektive aus gesehen gefällt mir dieses Aufpeppen der Musik nicht, eben weil es von der eigentlichen Musik ablenkt.
Empfehlenswert ist dieses Album allemal. Schon alleine aufgrund der hochkarätigen Musiker. Svigals hat nach ihrem Ausscheiden bei den Klezmatics schon mehrmals bewiesen, dass sie ein eigenständiges musikalisches Statement setzen kann. Ihr Soloalbum "Fidl" und ihr Debutalbum mit ihrer Band "Mikveh" zählen mit zu den besten Alben seit Beginn des Revivals. Jeff Warschauer ist neben Andy Statman der profilierteste Klezmer-Mandolinist und macht im Duo mit Deborah Strauss sehr feine Musik. Sy Kushner kennt man bisher nur von seiner CD "Klezsqueeze". Er spielt auf dem hier besprochenen Album sehr solide, fällt aber nicht besonders auf. Ebenso auch Nicky Parrott, die unter anderem bei David Krakauer's Klezmer Madness mitwirkt. Marty Confurius spielte Bass auf der wichtigen Aufnahme von Andy Statman und Zev Feldman "Jewish Klezmer Music", welche das Revival mitausgelöst hat.
Empfehlenswert ist dieses Album aber vor allem auch wegen der wirklich schönen Melodien, die einerseits lebendig und andererseits auch sehr kontemplativ sind.
Diskografie:
The Nikolayev Kapeliah: Vodkazak, Zalman Goldstein Musicwork, zu beziehen ist dieses Album z.B. hier
Alicia Svigals: Fidl, Traditional Crossroads
Mikveh, Traditional Crossroads
The Strauss/Warschauer Duo: Rejoicing, Büchergilde
Sy Kushner: Klezsqueeze
Links:
Artikel vom Dez. 2006