http://www.klezmerlog.de/pages/deutsch/cd-kritiken/konsonans-retro.php
Deutsch English

Konsonans Retro

 
Seit kurzem erhältlich ist die CD der Gruppe Konsonans Retro. Gemeinsam mit Guy Schalom (Klezmer Alliance) und Christian Dawid (Khupe, Budowitz) spielte die Gruppe ihr Repertoire aus jüdischen, ukrainischen und moldawischen Tanzstücken ein. Sehr gut dazu passen auch die mehrstimmig gesungenen ukrainischen Lieder. Diese Musik ist ausgelassen, (meistens) fröhlich, immer energiegeladen. Vergleichen kann man sie mit der Musik serbischer und rumänischer Blaskapellen, wie dem Boban Markovic Orkestar oder dem Kocani Orkestar. Doch sind hier die Tempi nicht so schnell, so dass man die Melodien noch erkennen kann. 
 
Eine Blaskapelle, die Klezmer spielt, hatten wir das nicht schon einmal? Hier Frank London's Klezmer Brass Allstars unerwähnt zu lassen, geht natürlich nicht. Im Unterschied zu Londons Gruppe spielt bei Konsonans Retro das Akkordeon eine wichtigere Rolle, ist es doch fixer Bestandteil der Band und auf jeder Nummer zu hören. Es gibt aber vor allem beim Repertoire einen Unterschied. Zum überwiegenden Teil ist das Repertoire der Klezmer Brass Allstars bekanntes Klezmer-Revival-Repertoire. Dieses Repertoire traditionell zu spielen war Konzept ihres ersten Albums, Di Shikere Kapelye. Schon beim zweiten Album ging London vom traditionellen Klang ab (wobei zu sagen ist, dass es ja eigentlich keine historischen Aufnahmen von jüdischen Blaskapellen gibt) und erweiterte das Repertoire, indem er Kollaborationen mit dem Boban Markovic Orkestar und einer ägyptischen Blaskapelle einging.
 
Konsonans Retro präsentieren sich mit dem Repertoire, welches sie sonst auf Hochzeiten und anderen Festen spielen. In dem Sinne kann man es traditionell nennen, immer aber mit dem Verweis, dass Musik sich ständig weiterentwickelt und es somit keine endgültige Definition von jüdischer traditioneller Blasmusik geben kann. Wie oben gesagt gibt es keine historischen Aufnahmen von jüdischen Blaskapellen. Der Ethnomusikologe Isaak Loberan meint dazu, dass der sowjetische Forscher Beregovski, als er seine Feldforschungen in den 1930ern unternahm, wohl zuwenig Zeit gehabt hätte, diese zu dokumentieren und sich auf Aufnahmen von Solisten beschränkte. Dass es jüdische Blaskapellen gab, ist aber dokumentiert. So fand Loberan Arrangements von Stücken für mehrere Stimmen von Blechblasinstrumenten.
 
Zurück zu Konsonans Retro. Sie spielen Musik aus dem Raum Podolien, einer Region im Grenzgebiet der Ukraine zu  Moldawien. Loberan entdeckte die Gruppe auf seinen Feldforschungsreisen und lud sie ein, im Westen zu spielen (siehe auch hier). Dort trafen sie auf Christian Dawid. Durch sein Engagement haben wir nun die Gelegenheit, ihre Musik in toller Aufnahmequalität genießen zu dürfen.
 
Diskografie:
 
Konsonans Retro: A Podolian Affair, erschienen bei Oriente
 
Links:
 
www.konsonans.com
myspace.com/konsonansretro (mit Musikbeispielen)
 
 
Artikel vom März 2007