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Budowitz

 
Würde die Süddeutsche Zeitung ähnlich ihrer CD-Kollektionen über Popularmusik eine Reihe mit den wichtigsten Klezmer-CDs herausbringen, dürfte eine CD garantiert nicht fehlen: Mother Tongue, das Debutalbum der Gruppe Budowitz. Bis vor kurzem war dieses Album noch vergriffen, deshalb entschloss sich das Label Koch-Schwann, das mittlerweile zur Universal Musikgruppe gehört, zu einer Wiederauflegung. Leider ging man dabei etwas lieblos vor: so wurde die Titelreihenfolge der Original-CD geändert, indem man den einzigen Titel mit Gesang ganz an den Schluss der CD verbannte. Dies macht wenig Sinn, da die Stücke der ganzen CD in Suiten angeordnet sind, d.h. es gehören immer mehrere Tracks zusammen. Auf der Original-CD geht das erste Stücke in das zweite über, warum dies bei der Wiederveröffentlichung geändert wurde, ist nicht nachvollziehbar.
 
Zurück zum eigentlich Wichtigsten, der Musik. Hier stimmt einfach alles:  die Auswahl der Stücke,  die Arrangements und die Interpretation. Dahinter steckt vor allem der Gründer und Leiter der Gruppe, Joshua Horowitz (Akkordeon und Tsimbl). Doch auch die anderen Musiker tragen ihren Teil dazu bei. Steven Greenman hat seinen Ruf als einer der besten Geiger im Klezmergenre sicher auch durch sein gekonntes Spiel auf diesem Album zu verdanken. Walt Mahovlich an der Klarinette, Lothar Lässer als zweiter Akkordeonist und der Cellist Géza Pénzes sind ebenfalls auf dieser Aufnahme zu hören, mittlerweile aber wie Greenman aus der Gruppe ausgestiegen. Greenman hat nach seinem Ausstieg aus Budowitz gemeinsam mit Zev Feldman die Gruppe Khevrisa gegründet, die sich genau wie Budowitz dem Originalklang verschrieben hat. Lothar Lässer widmete sich nach Budowitz seiner Gruppe deishovida, die unter anderem auch Klezmereinflüsse als Bestandteil ihrer Musik verwendet. Walt Mahovlich spielt als Akkordeonist bei der Gruppe Harmonia, die traditionelle osteuropäische Musik macht. 
 
Die Gruppe Budowitz besteht aber nach wie vor, denn Joshua Horowitz hat sich mit Musikern der ungarischen Gruppe Hégedös zusammengetan. Gemeinsam mit dem Klarinettisten Merlin Shepherd und dem inzwischen verstorbenen Badkhen (Zeremonienmeister bei jüdischen Hochzeiten) Mayer Bogdanski haben sie das Album "Wedding without a bride" aufgenommen, auf welchem die Musik einer jüdischen Hochzeit in Gliniany (Polen) rekonstruiert wird.
 
Das dritte Album mit dem schlichten Titel "Live" aus dem Jahr 2006 ist ein Konzertmitschnitt und stellt die Vielfalt der Klezmer-Musik vor. So klang die Musik in Galizien anders als in Transsylvanien (Siebenbürgen) oder Bessarabien. Um diesen Unterschied zu zeigen wurden mehrere Stücke einer Region in Form einer Suite zusammengestellt. Insgesamt gibt es zehn verschiedene Regionen, deren Musik vorgestellt wird: Galizien (westl. Ukraine), Podolien (südwestl. Ukraine), Transsylvanien (Rumäniens Mitte), Kiev, Wallachei (südl. Rumänien), Witebsk (Belarus), Wolhynien (nordwestl. Ukraine), Mogilev (Belarus), Bukowina (nordöstl. Rumänien)sowie Bessarabien (Moldau).
 
All dies ist sehr interessant wenn man sich mit der Musik näher beschäftigt, aber um die Musik genießen zu können, muss man die Herkunft der Stücke nicht kennen. Es ist einfach schön wie die einzelnen Stücke ineinander überfließen, wie die einzelnen Instrumente und ihre Musiker miteinander harmonieren, mit wieviel Feinheit die Stücke gespielt werden. Herausragend auf der ersten CD ist für mich die von Tamás Gombai (links im Bild neben Sándor Tóth) gespielte Suite transsylvanischer Tänze sowie die von Christian Dawid komponierte Sher. Auf der zweiten CD zu hören gibt es mehrere langsamere Stücke, stellvertretend genannt sei  hier das von Cookie Segelstein und Christian Dawid sehr lyrisch gespielte Stück "Tkhine fun Yas", ein Frauen-Gebet aus Iasi in Rumänien. 
 
Hervorheben möchte ich noch die tolle Klangqualität der Aufnahme. Die Instrumente wurden toll abgenommen und gemischt, selbst die Melodien der Tsimbl klingen noch durch, wenn das ganze Ensemble gemeinsam spielt.
 
Link:
 
www.budowitz.com
 
Diskografie:
 
Budowitz - Mother Tongue: Klezmermusik des 19. Jahrhunderts, erschienen bei Koch/Schwann
(Universal)
 
Budowitz - Wedding without a Bride (Khasene on a Kale), erschienen bei buda musique
 
Budowitz - Live, erschienen bei Golden Horn Records 
 
 
Artikel vom März 2007